Marktplätze verlieren nicht über Nacht, aber sichtbar an Einfluss: Händler und Plattformbetreiber investieren zunehmend in eigene, vernetzte Verkaufslandschaften. Getrieben von technischen Neuerungen wie KI und Unified Commerce, rechtlichen Eingriffen wie dem Digital Markets Act und dem Bedürfnis nach stärkerer Kundenbindung entsteht eine Machtverschiebung hin zu eigenständigen Commerce-Ökosystemen.
Warum die Dominanz klassischer Marktplätze bröckelt
Die klassische Rolle von Handelsplattformen als zentrale Vermittler bleibt bestehen, doch Betreiber und Händler hinterfragen die langfristige Abhängigkeit von Reichweite gegen Margen. Große Akteure wie Amazon prägen seit Jahren die Plattformökonomie, doch Regulierung und die Suche nach Datenhoheit führen zu einer neuen Dynamik.
Antriebskräfte: Technik, Regulierung und ökonomische Logik
Technologische Entwicklungen — etwa personalisierte Empfehlungssysteme und Automatisierung — erlauben es Händlern, eigene Schnittstellen und Services zu betreiben. Zugleich zwingt die EU-Gesetzgebung, insbesondere der Digital Markets Act, dominante Gatekeeper zu mehr Transparenz und Interoperabilität. Forscher der Wirtschaftsinformatik analysieren derzeit, wie solche Rahmenbedingungen die Generativität von Ökosystemen verändern und welche Indikatoren Machtverteilung sichtbar machen.
Die Kombination aus Technik und Regulierung fördert die Eigenständigkeit von Anbietern, verringert aber nicht die Bedeutung von Netzwerkeffekten — sie verändert lediglich die Spielregeln.

Wie Händler und Technologieanbieter eigene Commerce-Ökosysteme aufbauen
Als Beispiel dient die Rolle von Plattformanbietern wie Shopify, die Händlern eine Alternative zur reinen Marktplatzpräsenz bieten. Durch modulare Technik, integrierte Logistik- und Zahlverfahren sowie CRM-Funktionen lassen sich direkte Kundenbeziehungen stärken und Umsätze stabilisieren.
Marktstrategien: Von Omnichannel zu Unified Commerce
Viele Händler integrieren stationären Verkauf, Webshop, Social Commerce und Marktplatzkanäle zu einem vernetzten System. Der Unified-Commerce-Ansatz wird dabei als Kernstrategie verstanden: die IT-Landschaft synchronisiert Bestände, Kundendaten und Kampagnen über alle Touchpoints.
Diese Vorgehensweise erhöht die Resilienz gegenüber Plattformen, verbessert die Kundenbindung und verschiebt die Verhandlungsmacht zurück zu den Händlern. Praktisch bedeutet das: weniger Abhängigkeit von einzelnen Reichweitengebern, dafür höhere Investitionen in Technologie und Datenmanagement.
Auswirkungen auf die Plattformökonomie und die nächsten Schritte
Die Transformation wirkt auf mehreren Ebenen: Für Plattformbetreiber entstehen neue Wettbewerbsanforderungen, Komplementäre fordern geregelten Zugang und Händler prüfen die Rentabilität eigener Ökosysteme. Forschungen, die Machtindikatoren in digitalen Ökosystemen identifizieren, zeigen, dass Macht nicht nur über Reichweite, sondern über Datenkontrolle, Integrationsfähigkeit und Governance ausgeübt wird.
Was das für Kunden, Händler und Regulierer bedeutet
Endkunden profitieren oft von besserer Personalisierung und nahtloseren Einkaufserlebnissen, sofern Datenschutz und Transparenz gewahrt bleiben. Händler gewinnen durch eigene Plattformen mehr Kontrolle über Preise, Kundenbindung und Margen, tragen aber zugleich die operationalen Kosten. Regulierer wiederum müssen Balance finden: Innovationsfreundliche Rahmenbedingungen einerseits, Verhinderung neuer Machtkonzentrationen andererseits.
Ein zweiter Zugangsweg zu dieser Debatte sind praxisnahe E-Commerce-Strategien, die technische Umsetzung und Marktposition verknüpfen. Entscheidend bleibt, dass die Machtverschiebung schrittweise erfolgt und von konkreten Marktstrategien, technologischen Fähigkeiten und regulatorischen Vorgaben abhängt.



